3 MINUTEN MIT ZBINDEN

Ikarus II, 1975
Holzstich
37 x 23 cm

Poseidon, 1974
Holzstich und Holzschnitt
136 x 38,5 cm

Ikarus I, 1969
Holzstich und Holzschnitt
44,1 x 38,3 cm
Kapitel 33
Griechenland III
Wer 2008 im Kunstmuseum Bern
die grosse Ausstellung zu 100 Jahre
Emil Zbinden besuchte, stand eingangs
vor Zbindens Druckpresse und sah dahinter an der Wand staunend
das Triptychon mit der dreifachen
Ikarus-Darstellung.
So der Mythos:
Dädalus war Gefangener des Königs Minos auf Kreta. Um Minos zu entfliehen und weil dieser das Meer und das Land kontrollierte, schuf Dädalus für sich und seinen Sohn Ikarus Flügel.
Vogelfedern wurden mit Wachs zusammengefügt.
Vom Vater ging die Warnung an seinen Sohn, wegen der Feuchtigkeit des Wassers nicht zu tief und wegen der Hitze der Sonne nicht zu hoch zu fliegen.
Ikarus flog zu hoch und stürzte ab.
Die Insel Ikaria erinnert heute an diese Geschichte.
Wir lesen auf dem Bohrturm
„PROFIT & Co“.
Überlassen wir eine mögliche Deutung dem grossen österreichisch-amerikanischen Biochemiker und Genforscher
Erwin Chargaff (1905-2002):
Zwei verhängnisvolle wissenschaftliche Entdeckungen
haben mein Leben gezeichnet:
erstens die Spaltung des Atoms,
zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung.
In beiden Fällen geht es
um die Misshandlung eines Kerns:
des Atomkerns, des Zellkerns.
In beiden Fällen habe ich das Gefühl,
dass die Wissenschaft
eine Schranke überschritten hat,
die sie hätte scheuen sollen.
Wie es oft in der Naturwissenschaft geschieht,
waren die grundlegenden Entdeckungen
durchaus bewundernswerten Leuten zu verdanken,
aber der Haufen, der ihnen unmittelbar folgte, hatte schon einen mefitischeren Duft.
in:
Erwin Chargaff. Das Feuer des Heraklit.
Skizzen aus dem Leben vor der Natur.
Stuttgart 1979, S. 246f.
Mit dem Kapitel 33 beende ich meine Arbeit an den „3 Minuten mit Zbinden“.
Zbindens Themenbereich ist aber damit bei weitem nicht ausgeschöpft!
Es war ausserordentlich für mich, fünfeinhalb Jahre lang mich auf diese Art mit dem so reichhaltigen Werk Emil Zbindens beschäftigen zu dürfen.
Peter Steiger (pst)