
Werner Roos

Emil Zbinden (rechts) im Gespräch, links Werner Roos

Auf der Akropolis, 1965

Griechische Flotte vor Troja, 1970 Farbholzschnitte / Holzstich, 63 x 40,4 cm

Sagen des Klassischen Altertums, S. 653

Kreta, Oliven mit Kriegern, 1972 Holzschnitt / Holzstich, 65,8 x 100 cm

Emil Zbinden vor dem Druckstock

Strassencafé in Heraklion auf Kreta, 1967 Zinkographie, 22,4 x 47,4 cm
3 MINUTEN MIT ZBINDEN
Kapitel 32
Griechenland II
Als Emil Zbinden die Gotthelfausgabe der Büchergilde illustrierte, fuhr er ins Emmental und zeichnete. Er orientierte sich auch an den volkskundlichen Studien von Emanuel Friedli (siehe Kapitel 30).
Auch für seine Illustration von Gustav Schwabs Sagen des klassischen Altertums (siehe Kapitel 31) zeichnete er vor Ort. Er unternahm mit dem „Verein für Originalgraphik“ Reisen nach Griechenland. Werner Roos, dessen Präsident, war ein wichtiger Reiseführer.
Franz Karl Opitz über Werner Roos
Der Künstler Franz Karl Opitz (1916-1998) beschreibt dies so:
„Werner Roos war ein hervorragender Kenner der Antike, der griechischen Mythologie. Unzählige Stunden seiner Freizeit hat er vor jeder Reise darauf verwendet, uns, den Mitreisenden, in leichtfasslicher Art ein lebendiges Bild der Vergangenheit auferstehen zu lassen. Und das Interesse war auch dementsprechend gross, mit Begeisterung folgte man ihm zu den zum Teil nur mit langen Fussmärschen zu erreichenden Ausgrabungsstätten. Wenn uns dann seine eindringliche Stimme, vom Brausen des Windes und dem Zirpen der Zikaden etwas gedämpft, in die Vergangenheit entführte, war es still im Umkreis.“ (1)
Werner Roos über Emil Zbinden
(…) Dann begegnete ich dem eher klein gewachsenen, zunächst zurückhaltend und scheu wirkenden Berner, dessen Habitus eher an einen Südfranzosen erinnert. Wir begaben uns auf eine Reise, auf der er zeichnen und malen wollte. Wo immer man war - auf dem Schiff, auf dem Land - man bekam ihn nur selten zu Gesicht. Nie sah man ihn an der Arbeit. Nur die Hände, mit denen er die Kreide gehalten hatte, verrieten ihn, wenn er einmal auftauchte.
Einmal beobachtete ich ihn von einem oberen Schiffsdeck auf einem tieferen. Scharf äugte er, ob ihm niemand zusähe. Sobald er das Gefühl hatte, man könnte seinen Skizzenblock einsehen, schloss er ihn. Dann nahte sich ihm ein einfacher Grieche, mit dem sich ein Gespräch auf französisch führen liess. Und mitten in der angeregtesten Unterhaltung skizzierte er nun ohne Hemmung und völlig gelöst. Er war gewiss, dass kein überhebliches Urteil ihn verletzen würde.
Später teilte ich mit Zbinden die Schiffskabine. Eines Tages sah er mir voll ins Gesicht und wich nicht mehr scheu aus mit dem Blick. Diese Augen wird man nicht mehr vergessen - sie beobachteten unbestechlich. Ich wusste das bald danach auch auf Grund der abendlichen Gespräche: Tausend Dinge, an denen ich vorüberging, hatte mein Gefährte gesehen, vieles davon auch festgehalten, in raschen Notizen manchmal, dann wieder in erstaunlich sicheren Formulierungen. Alles, auch das Geringste, suchte er einzuordnen in sinnvolle Zusammenhänge, geistige Zusammenhänge. Und da erlebte ich, wieviel er auch über uns, Land und Leute, nachgedacht hatte, auf ursprüngliche und gänzlich unkonventionelle Weise.
Wir beide waren nicht allein. Maler und Malerfreunde waren um uns. Es kam der Tag, an dem Zbinden auch die Freiheit gewonnen hatte, ihnen seine Skizzenbücher zu öffnen. Da war keiner, dem nicht offenbar wurde, dass sich Augenerlebnisse zu höherer Ordnung gefügt hatten, dass hier Handwerk eine dienende Funktion im Gestaltungsprozess versah. Das Augenscheinliche hatte sich zur Aussage gewandelt.
Skizzenbuch und Erinnerung werden nun Grundlage neuen Gestaltens. Es ist selbstverständlich, dass Emil Zbinden sein Erlebnis auch druckgraphisch formulieren wird. Er wird Holzstöcke bearbeiten, damit man von ihnen das feine Liniengeflecht seiner Holzstiche auf Papier übertragen kann. Wenige nur ahnen, was dahinter an geistiger und handwerklicher Arbeit steckt. Ich habe ihn oft gehört, wie er seine eigenen Entwürfe kritisierte: Da eine Stelle, die nicht lebendig genug erschien, dort eine Betonung, die abzulenken schien, ein noch so geringer Akzent,
der das Gleichgewicht stört.
Und dann das Handwerk. Unter Hunderttausenden von Strichen in den Stichen Emil Zbindens habe ich nie einen entdeckt, der nicht meisterlich gesetzt worden wäre. Wenn er schneidet, dann singt er. Für mich singen auch all die Drucke, die ich von seinen zahllosen Holzstöcken zu sehen bekommen habe. (2)
(1)
in:
Autorenkollektiv. Werner Roos 1903-1977, Gedenkschrift.
Orell Füssli Zürich 1977, S. 27
(2)
Werner Roos
Emil Zbinden. Erlebnis mit dem Menschen und Künstler.
philo graphic 7,
Zeitschrift für Originalgraphik und Katalog
zu den Ausstellungen der Galerie Zielemp Olten
Verlag Heinz Engel Olten 1966
pst