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3 MINUTEN MIT ZBINDEN

Kapitel 30

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Emanuel Friedli: Lützelflüh

Emil Zbinden hat die sechzehn Bände der Gotthelf-Ausgabe der Büchergilde Gutenberg illustriert. Er hat das Emmental dargestellt. 
Aber er ist selbst ein Städter. Er musste den Blick aufs ländliche Leben erst lernen. Über zwei von mehreren Stationen drückt er sich so aus:

Unser Leben in Herzogenbuchsee war sehr bescheiden. Wir Buben mussten Holz sammeln, Ähren lesen, auf dem Pflanzplätz mithelfen. Wenn ich die ersten acht Jahre nicht in Buchsi verbracht hätte, wäre es mir kaum möglich gewesen, die Bilder aus dem Dorf- und Landleben so zu gestalten, wie ich das getan habe. (1)

Der Band «Lützelflüh» von Emanuel Friedli war mir eine erste grosse Hilfe, über Leben und Brauchtum. (2)



Drei Textbeispiele aus „Lützelflüh“

Haus: Das Einfahrtstor/Bühnisbrügg

Der mit starken Brettern belegte und zumeist oder ganz überdachte Teil der Einfahrt, mit oder ohne Abschlusstor und Seitentürchen, heisst Bü[h]nisbrügg.
Sie führt vom Brüggstock weg zwischen oder über den beiden Bühnen so hin, dass ab den eingefahrnen Wagen Garben oder Heu bequem hinuntergeworfen werden können.
Zwischen ihr und der Zufahrtsstrecke ist der Brüggstock zu einem möglichst ebenen Übergang aufgeschüttet und seitlich aufgemauert.
Eine steile, dazu noch schmale und jäh umbiegende Einfahrt ist ein ganz besonders kitzliches Probestück für einen Rosslenker. Namentlich wenn im Gedränge eines schwülen Erntetages vor Ausbruch eines drohenden Gewitters die vollen Wagen sich unter der Einfahrt stauen. (3)


Essen: Die Rösti

Drum das allmorgendliche „währschafte“ Frühstück aus Ggaffee (gutem Milchkaffee), Brot und Röösti. 
Letzteres Wort ist die gewohnte kurze Form für Härdöpfelröösti, welche vollständige Bezeichnung nur gebraucht wird, wenn es sich um einen Gegensatz zu Öpfel-, Bire-, Eier-Röösti handelt. 
Rösti „im engeren Sinn“ bedeutet: in ausgiebig viel Schmalz gebratene (g’schmutzgeti, g’schmützgeti, schmutzigi) Scheibchen von gesottenen Kartoffeln. Rohe statt gesottene Erdäpfel in nämlicher Weise bereitet, geben (zumal im Oberaargau) die Roui Röösti, gesotten gedörrte gaben früher, vor Aufschwung des Lebensmittelhandels, die düüri Röösti. 
Die Kartoffeln wurden hierzu mittelst eines eigenen Geräts, des Härdöpfelstüehli oder der Härdöpfelmühli zerkrümelt.
(…)
Von den „sechzig“ Zubereitungsarten der Kartoffel sind bei weitem nicht alle üblich oder auch nur dem Namen nach bekannt. (4)


Kleider: Die Schürze

Und nun der Schurz, die Schürze, die Scheube, das „Vortuch“ oder „Füürtuech“, Füürtech (…) Fürte.
Zur Schonung des Gewandes trägt der Handwerker auf dem Arbeitsplatz ein Fürfähl, von einem Rotgerber geliefert 
(…)
An den „Kuchifürtechen“, „schwarz und klebrig“ herumliegend, erkennt man das Köchinnen-Regiment…
Um „ein Kaffee zweg“ zu machen, legt Annebäbi „ein ander Fürtech um“ und legt die Ausgeh-Schürze weg. Letztere wird also zum Anstandskleid, zum Präsentations-, Ausstattungs-, Putzstück, ohne welches schliesslich keine Weibsperson mehr denkbar ist. 

Ja schliesslich kann das Fürtuch soviel wie „Weibsbild“ bedeuten, und der „Schürzenjäger“ fahrt eren iedere Scheube naa. (5)

*****

Für seine Gotthelf-Illustrationen fuhr Emil Zbinden auf dem Velo ins Emmental und zeichnete vor Ort. 
Aber mit Friedli im Gepäck und/oder im Hinterkopf. 
Genaue Kenntnis des örtlichen Lebens, die er auch bei Albert Bitzius alias Jeremi-as Gotthelf feststellte.

pst


Literatur:

(1)
Emil Zbinden. Zeichnungen, Druckgrafik
Herausgegeben von der Stiftung «Kunst auf dem Lande», Langnau o.J. (ca. 1986),S. 10

(2)
ebenda, S. 16

(3)
Emanuel Friedli. Bärndütsch als Spiegel bernischen Volkstums. Erster Band: Lützelflüh
Bern 1905 (Francke-Verlag), S. 212

(4)
ebenda, S. 506

(5)
ebenda, S. 403


 

                 Einfahrt 1939

in: Zeitgeist und Bernergeist, 
Band 16 der Gotthelf-Ausgabe 
der Büchergilde Gutenberg,
Seite 200


 

in: Erlebnisse eines Schuldenbauers,

Band 12, Seite 104

in: Anne Bäbi Jowäger II, 
Band 7, Seite 211

 

in: Erlebnisse eines Schuldenbauers,

Band 12, Seite 145

in: Anne Bäbi Jowäger I,

Band 6, Seite 17

in: Die Käserei in der Vehfreude,
Band 8, Seite 376

 

Nachlassbetreuung und Copyright der Werke:

 

Katharina Zbinden-Bärtschi und Samuel Zbinden, Eigerstrasse 60, CH-3007 Bern

sam_zb@bluewin.ch

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Letzte Aktualisierung: Januar 2026

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