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3 MINUTEN MIT ZBINDEN

C.A. Loosli, „Der Gäng-hü-Schlosser“

Sechs von dreizehn Holzstichen aus dem Band „Der Gäng-hü-Schlosser“ (B)

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1) „D Manne“ im Gemeinderat bestimmen über die Zukunft des Güterbuben.

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2) Der Lehrling liest Bücher, so oft er kann.

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3) Aufgestaute Wut. Der Meister muss herhalten.
 

Mit dem Gäng-hü-Schlosser beginnt die Zusammenarbeit zwischen Carl Albert Loosli (1877-1959) und Emil Zbinden (1908-1991).

Der Loosli-Biograf Erwin Marti schreibt:

„Die Erzählung vom Gäng-hü-Schlosser war eine grosszügige Interpretation der wildbewegten Jugendgeschichte Looslis, seiner Erfahrungen mit der Vormundschaft und den diversen Lehrstellen, mit Heimen und Gefängnis. Das Besondere an diesem 48-seitigen Werklein war vor allem, dass es den Beginn der Zusammenarbeit Looslis mit Emil Zbinden bedeutet. Im Frühjahr 1941 besuchte Zbinden erstmals Loosli und besprach mit ihm die Ausstattung des Gäng-hü-Schlossers.“ (S. 494) (A)

Das dünne Buch der Büchergilde Gutenberg war eine Werbegabe an die Mitglieder und konnte nicht gekauft werden.

 

Zusammenfassung:

Hansli, Hannesli, Hannes oder Hans, wie er im Verlauf der Geschichte genannt wird und später zum Gäng-hü-Schlosser wird, verliert im Kindesalter zuerst den Vater, dann die Mutter und wird beim „Sunnemattbuur“ als „Güeterbueb“ verdingt. In der Schule fällt er als überaus wach und interessiert auf. Er möchte einmal „Naturforscher“ werden.

Durch ein überraschendes Erbe wäre das auch zu finanzieren. Aber ein Bauer, der im Gemeinderat sitzt, hat das Geld als Darlehen mit einer Sperrfrist von zehn Jahren an sich genommen. Er lässt seinen Sohn Medizin studieren, während dem Verdingbuben das Studieren verwehrt wird. Auch aufs Seminar lässt man ihn nicht gehen. (Bild 1)

Hans kommt zum Schreiner „Tischmacherueli“ in die Lehre, bricht diese aber ab. Sein Meister sage, „…er fragi em Pruef nüt dernah, u wen er e chlei chönn, su hock er hinger syne verfluechte Büecheren u lay aḷḷs angere la hootsche…“ (Bild 2)

In einem zweiten Anlauf, in der Lehre bei einem Wagner, kommt es zu einer Schlägerei mit dem Lehrmeister. (Bild 3)

 

Hans wandert vierzehn Tage ins Gefängnis. In der gleichen Zelle sitzt „Pfistersameli“ „am Schatte“. Dieser hat gehört, wie das Erbe von Hannes zu dessen Ungunsten verwaltet wird. (Bild 4)

Der Gerichtspräsident, der es gut mit Hans meint, verhilft ihm zu einer Schlosserlehre bei seinem Bruder. (Bild 5)

 

Die Berichte des Lehrmeisters sind ausgezeichnet. Erst während der Lehre vernimmt der Gerichtspräsident aber, wie mit Hannes’ Erbe umgegangen wurde. Seine Kritik am Gemeinderat bringt keine Änderung.

Hans geht nach der Lehre auf die Walz, bildet sich weiter und kommt als versierter Schlosser im Alter von 24 Jahren zurück, „versprochen“ und mit beruflichen Plänen. Aber auch jetzt muss er um sein Erbe kämpfen (Bild 6), klagt den Gemeinderat ein, bekommt Recht und eröffnet mit Unterstützung seines ehemaligen Klassenkameraden und Vertrauten „Oberhuschriste“ eine Schlosserei mit der Spezialität, Blitzableiter herzustellen. Bei seinem Tod arbeiten mehrere Leute im Betrieb und seine Nachfahren können diesen erfolgreich übernehmen.

4) Gefängnis. Pfistersameli weiss, wie mit dem Erbe 

von Hans umgegangen wird.

5) Der Gerichtspräsident meint es gut mit Hans.

6) Von der Walz zurück, lässt Hans sich nicht mehr von den „Manne“ hinhalten. Er klagt und gewinnt.

Die Lebensgeschichte des Gäng-hü-Schlossers, hier trocken als Chronik präsentiert., kann nachgelesen werden in C.A. Looslis Büchern „Der Gäng-hü-Schlosser“ (B) oder „Mys Dörfli“ (C). Der Inhalt selbst ist schon voller Gegensätze und Spannungen. Der Aufbau der Erzählung aber und Looslis Sprache steigern die Spannung noch viel mehr. Wer die Lektüre des Berndeutschen umgehen will, höre eine Stunde lang Paul Niederhauser zu, der diese Geschichte meisterhaft vorträgt. (D)

 

Drei Textproben nach: 

C.A. Loosli. Mys Dörfli. Zürich (ohne Jahr), Büchergilde Gutenberg

So beginnt die Geschichte:

 

Der Gäng-hü-Schlosser isch, so lang i mi an in ma bsinnen e chly ne kurlige Ma gsi, u mi isch neue nie rächt us im use cho. Teeḷ Lüt hei gseit, er syg e tonners Nar; anger hei erchennt, e Nar syg er grad nid, nume fähl es im hie u da im Oberstübli; hangkehrum het me widerume ghört, er syg e Giftniggu, wo a nütem eso Freud heig, wi wen er eim öppis chönn la ligen, un er heig ds böst Muu im ganze Piet, das me nes Bschüttloch dermit chönnt vergifte; hingäge jederma het müeße säge, das er der gschichtist Schlosser syg wyt zäntume, wen er nume gäng möcht wärche. (142)

Aus der ersten Lehre zum Schreiner:

Der Meister het gchlagt, er wär gschichten u chönnt ds Hanterch lehre wi nid grad eine, wen er nume wet; weder es syg i Gotts Name nüt mit im aaz’fah, er fragi em Pruef nüt dernah, u wen er e chlei chönn, su hock er hinger syne verfluechte Büecheren u lay aḷḷs angere la hootsche, u däwäg chönn er nid derby sy; - bi ihm mües e Lehrbueb schaffen u Neuis lehre, süsch bigähr er ne lieber nid. (160f.)

 

In der Zeit als selbständiger Schlosser:

 

Der Postruedi het gseit, er bring im Jahr für Jahr, es weis e ke Möntsch wi mängs Päckli Büecher vo der Buechhandlig im Stedtli, u ds Gält, wo das chosti, gang mängisch i di Hunderti vo Fränkleni; aber ke Möntsch het chönne säge, was er mit dene Büecher aasteḷḷi. Eis isch sicher gsi, das der Gäng-hü-Schlosser mängs gwüßt het, wo mängen angere nid weis, u we men öppe mit im zrede cho isch uber dises un äys, su het er wyligen öppen e Meinig la verlute, wo niemer hinger im gsuecht hätt, u wo eim zeigt het, das er nid der tümmscht isch un aḷḷwäg vieḷ gläsen u viel gsinnet het. (143)

Bibliografie:

 

Erwin Marti. Carl Albert Loosli. 1877-1959.

Partisan für die Menschenrechte, Band 3 / 2. Teil

Zürich 2018 (Chronos Verlag) (A)

 

C. A. Loosli. Der Gäng-hü-Schlosser. 

Büchergilde Gutenberg Zürich (ohne Jahr) (B)

 

C. A. Loosli. Mys Dörfli.

Büchergilde Gutenberg Zürich (ohne Jahr) (C)

 

C. A. Loosli. Bärndütsch. Verzeut vom Paul Niederhauser.

Bern Langnau Murten (Licorne-Verlag), 2 CDs

Eine Co-Produktion mit Schweizer Radio DRS, (ohne Jahr) (D)

 

Die Mundart-Texte Looslis in der Büchergilde Gutenberg waren Neuauflagen. 

Sie erschienen erstmals in den Zehnerjahren:

Mys Dörfli. Francke, Bern 1909

darin ein Kapitel: „Der Gäng-hü-Schlosser“

Üse Drätti, Francke, Bern 1910

und die Gedichte:

Mys Ämmitaw. Francke, Bern 1911

 

B, C und D, vergriffen alle drei.

Man wünschte sich eine Neuauflage nach hohen Regeln der Buchkunst: den Text von Loosli, die Illustrationen von Zbinden und den Vortrag von Niederhauser auf CD, begleitet von ein paar sprechenden Fotos der drei Gestalter. 

pst

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